2007-04-29

golden week

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2007-04-21

big in japan II

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so nun hab ich mich also entschlossen keine rundmails mehr zu
schreiben sondern mein treiben hier in einem blog zu veroeffentlichen.
so koennt ihr, wenn ihr wollt, ab und zu hier vorbeischauen und sehen,
ob es denn was neues gibt. ...und der grosse vorteil: ich hab auch die
moeglichkeit ein paar photos hochzuladen.

nun denn. unglaublich schonwieder ist eine woche vorbei und ich hab
ungeheuer viel erlebt... mein erstes sakefest, eine welcome-party bei
meinem professor, mein erster vortrag, meine erste japanisch-stunde,
das sushi-all-you-can-eat restaurant, ein bazar auf japanisch, die
fischhalle,...und tausende kulinarische koestlichkeiten.

dann beginn ich mal mit meinem japanisch kurs.
ich hab das gefuehl, dass all das was ich in stuttgart gelernt habe
hier innerhalb von 3unterrichtstagen durchgenommen wird. das
tempo ist superschnell. aber das liegt wohl eher daran, dass wir
lediglich 4europaer sind und die anderen schon irgendwann
einmal mit den asiatischen schriftzeichen zu tun hatten. aber
es sind alle sehr nett und hilfbereit und irgendwie bekommen
auch wir das hin.
das schoenste am kurs ist eigentlich, dass es ein bunt gemischter
haufen ist. so lerne ich auch andere leute kennen als die von
meinem institut
[wo wir ja alle architekten sind und um mich rum nur jungs].
bunt gemischter haufen heisst, malaysianer, indoneser,
koreaner, chinesen, iraner, norweger, franzosen, tuerken, ...
und es ist auch ungeheuer interessant, was fuer verschiedene
eindruecke all diese nationalitaeten von den japanern haben.

mein erster vortrag an der uni lief ganz gut. es ist hier die regel,
jede woche einen kleinen vortrag ueber seine arbeit der vorherigen
woche zu halten. hier zeigt sich schon, wie supergut die japaner
organisiert sind. es gibt jede woche 3meetings des instituts. und
jedes mitglied hat seinen eigenen aufgabenbereich um den er sich
kuemmern muss. so uebernehmen die studenten schon waehrend
des studiums verantwortung fuer kleine projekte wie z.b. studien
oder wettbewerbe und treten direkt mit den auftraggebern in
kontakt. nach jedem meeting erhaelt jeder teilnehmer eine email
des verantwortlichen mit einer kurzen zusammenfassung. so ist
immer jeder informiert. ausser ich, weil ich ja das japanisch
nicht lesen kann.

diese woche war ausserdem ein besichtigungstermin eines
gebaeudes fuer welche die uni eine studie erarbeitet. der investor
ist scheinbar die groesste immobiliengesellschaft japans.
sie haben eine wohnung mit 1.5stockwerken entwickelt.
d.h. eine box mit einer hoehe von 4.5m. teilweise sind die raeume
3m hoch und teilweise eben 1.5m.
die begruendung hierfuer ist, dass kinder kleine menschen sind
und deshalb auch nicht so hohe raeume brauchen.
mal sehen was daraus wird.

als der investor das erste mal bei uns im meeting war, bin
ich zeuge der "visitenkarten" - tradition geworden.
und das ist es wirklich. sie sammeln visitenkarten wie in
anderen laendern briefmarken. sie haben ihre alben, in die diese
einsortiert werden. und ganz wichtig ist bei der visitenkarten-
uebergabezeremonie, dass man dem gegenueber in die augen
schaut, sich verbeugt und die visitenkarte mit beiden haenden
weitergibt bzw annimmt. tut man dies nicht, und nimmt sie
nur mit einer hand, stellt man sich ueber das gegenueber.
und bevor man nicht weiss wie man den gegenueber einordnen
muss, sollte man dies nicht tun. ein schueler verbeugt sich z.b.
vor einem lehrer immer tiefer. weiss man, wie man den anderen
einordnet, weiss man also wie man sich verbeugt. deshalb muss
eine visitenkarte moeglichst viel information enthalten. weiss
man nicht wie man den anderen einordnen soll, hoert man nicht
mehr auf sich zu verbeugen, weil man den anderen jeweils nicht
niedriger stellen moechte.

ich hab erzaehlt, dass man sich in europa, wenn man sich gut
kennt, zur begruessung sich zwei oder dreimal "kuesst" oder
sich umarmt. sie waren alle total schockiert und haben laut
gelacht und mich gebeten dies hier niemals zu versuchen,
sonst waere ich mir einer ohrfeige sicher.

wie gut japaner organisiert sind, zeigt sich auch ueberall dort
wo man sich nur vorstellen kann, sich anstehen zu koennen.
schaffen es europaer manchmal nicht einmal jemanden aus dem
bus, der bahn, etc aussteigen zu lassen bevor man selbst einsteigt,
stehen japaner schon am bahnsteig in einer reihe. und zwar links
und rechts zur tuer. sodass in der mitte diejenigen die aussteigen
genug platz haben.
auf der rolltreppe heisst es links stehen rechts gehen. und im
strassenverkehr herrscht auch linksverkehr. allerdings ist dies
in osaka schon wieder anders. da fahren sie rechts. wie das fuer
einen autofahrer funktioniert ist mir ein raetsel.

die deutsche sprache fuer japaner.
mir scheint als sei es einfacher fuer einen japaner deutsch zu
sprechen, als englisch. allein wegen der aussprache.
neben dem englischen sind zahlreiche gegenstaende wie z.b.
t-shirts oder postkarten mit deutschen spruechen bedruckt.
und dies ist fuer jemanden der auch "versteht" was dort steht
meistens sehr lustig: "buchen sie jacke"
aber: es sieht gut aus.

...soweit. sogut.
viele gruesse.corinna

2007-04-13

big in japan I





konnichiwa.
toki doki. zunaechst einmal: ich bin gut hier angekommen.
und ja, dies ist eine rundmail. teilweise bin ich gebeten worden
doch ab und an eine rundmail zu schreiben und niemanden
zu vergessen. andererseits, weiss ich, dass es nicht immer das
interessanteste ist, superlange unpersoenliche emails von irgendwo
auf der welt zu lesen. sollte sich nun also jemand angesprochen
fuehlen und haette gerne, dass ich denjenigen von der liste streiche,
....bitte gebt mir bescheid. will ja schliesslich nicht zu eurem spam
werden.

mein apartment und meine nachbarschaft:
also. mein apartment ist in einer eher wohlhabenden gegend tokyos.
mich hat die gegend gleich an die "upper east side" new yorks erinnert
die strassen sind wie ueberall in tokyo sehr sauber. obwohl man kaum
muelltonnen findet. kaum vorstellbar wie das in einer solch grossen stadt
funktioniert. ich hab mich schon gefragt, ob sie strafen auf das wegwerfen
von muell ausgesetzt haben.
in meiner strasse gibt es unzaehlige kleine restaurants und laeden. aber
eben eher fuer diejenigen die auch den porsche und mercedes fahren
oder fahren lassen, welche hier auf der strasse rumstehen.
die meisten haeuser sind beleuchtet oder auch mit pflanzen bewachsen.
gleich in der naehe gibt es einige supermaerkte mit riesiger auswahl an
frischem fisch und obst und gemuese.
gleich gegenueber meines apartments ist ein sehr beliebter park, der wohl
auch waehrend der kirschbluete ein haeufig besuchtes ausflugsziel gewesen
ist. leider kam ich 2tage zu spaet und die kirschbluete war schon vorbei
....aber deshalb werd ich ja fuer ein jahr hier bleiben....
das apartment selbst ist in einem wohnheim fuer auslaendische studierende.
wenn man das haus betritt kommt man zuerst in das foyer, inwelchem immer
eine empfangsdame oder ein wachposten steht. was aber in tokyo nicht
wirklich noetig ist, da die kriminalitaetsrate wesentlich geringer ist als zb in nyc.
ich denke mir die meisten bringen sich selbst um bevor sie jemandem anderen
etwas antun. im foyer gibt es immer die aktuellen internationale tageszeitungen
und natuerlich ein riesen fernseher.
ueber einen innenhof gelangt man dann zu den apartments. meines ist eben ein
1-zimmerapartment mit kueche und badezimmer. die kueche ist
verhaeltnismaessig gross. mit einem gasherd und einem super riesen kuehlschrank.
und einem fischgrill. mein zimmer ist recht winzig, [3x2m] aber mehr als ausreichend.
tatsaechlich passt in dieses zimmer ein schrank, ein regal, ein schreibtisch,
ein esstisch und natuerlich das bett. um es komfortabler zu haben, kann ich alles
per fernbedienung steuern, sodass ich in diesem zimmer keine riesen wege
auf mich nehmen muss. das heisst, ich kann die heizung, die klimaanlage und das l
icht via fernbedienung bedienen. und -nicht zu vergessen- ich hab auch einen balkon.
wie ihr seht es fehlt nichts an komfort.

university of tokyo:
ja. nun ist schon fast die erste woche an der uni vorbei und ich steh vor meinem
ersten vortrag ueber buckminster fuller. d.h. ich moechte den japanern kein schlechtes
bild von den europaeischen studenten geben und nuetze deshalb jegliche zeit die ich
habe diesen vortrag vorzubereiten.
man muss schon sagen, dass die japaner bislang einen sehr fleissigen eindruck hinterlassen
haben. das semester hat zwar erst am montag begonnen aber gestern haben sie schon
die erste nacht durchgemacht um ein arbeitsmodell fertigzustellen.
die organisation an der uni ist etwas anders als in stuttgart und der kontakt zu den
professoren wesentlich intensiver. ehe ich es versah, sass ich alleine mit meinem professor
namba-sensei in seinem buero und hab ihm versucht irgendetwas zu erzaehlen.
die exkursion in diesem semester wird nach rom gehen. meine erste frage war, ob sie das
rom in italien meinen oder ob es noch ein anderes gibt? da ich aber im ehemaligen institut
von tadao ando bin und er jedes semester ein workshop organisiert, werde ich wohl eher
daran teilnehmen.
dann waere da noch mein tutor. der aussieht wie mogli vom dschungelbuch. nein. er ist ein
ganz lieber und ungeheuer hilfsbereit und geduldig. er hat mir geholfen den riesen berg an
papierkram fuer die behoerden zu erledigen und einen ersten ueberblick von die stadt und
ihre eigenarten zu bekommen. zudem ist er sehr lustig.

die mensa;
wenn man es so nennen darf. das essen dort ist sehr koestlich und die auswahl riesig.
und alles wird frisch angerichtet liegt nicht schon vorgefertigt seit stunden bereit....
allein die mensa ist schon ein besuch wert.

shinbuya:
das ist sozusagen die japanische variante des times squares. nur das der times square im
vergleich dazu das reutlinger fruehjahrsfest ist [und shinbuya das oktoberfet]. tummeln
sich auf dem times square fast ausnahmslos touristen, so ist es hier das gegenteil. am
eindruecklichsten ist, wenn an der grossen kreuzung [6strassen] die fussgaengerampeln
gruen haben. und zwar alle gleichzeitig. auf einmal rennen alle aufeinander zu und
wechseln die strasse. lkw's fahren beleuchtet wie der coca-cola-truck staendig im kreis
und stellen die neuste cd vor. laut droehnend. und der doppeldeckerbus den man aus london
kennt, hat unzaehlige tv screens mit werbung fuer die neue tv-soap....auf den strassen
stehen menschen und versuchen dich in ihre laeden 'einzuladen', verteilen giveaways,
....und und und. und mittendrin ein schild fuer ein manga internet cafe. also lauf ich rein.
alles sah etwas spacig aus. und ich seh schilder mit "dusch"-zeichen und maenner und
frauen und frag mich "ist das wirklich ein internet cafe?" und dann erinner ich mich soetwas
gelesen zu haben, falls man vergessen hat das hotel zu buchen, soll man in ein
mangainternetcafe. und ich habs gefunden. an ostern. also versuch ich der dame am tresen
zu erklaeren [auf englisch] dass ich nur ins internet moechte und nicht fuer 24h sondern
nur fuer eine. sie sagt mir dann auf japanisch ich kann auch einen dvd ausleihen
[ihr glaubt nicht wie gross die auswahl ist!] oder, oder, oder, ich bedanke mich [auf englisch]
sie sagt mir die kabinennummer und wo diese sich befindet [auf japanisch] und los gehts.
vorbei an riesen automaten mit getraenken. sehen aus wie waschmaschinen, und
snackautomaten, einen schmalen flur entlag.... und links oeffnet sich eine glastuer. es ist
recht dunkel. die decke glitzert und ich finde meine kabine. oeffne die schiebtuer und knie
mich auf ein polster. die schuhe natuerlich ausgezogen und unter einer kleinen klappe im
boden versteckt. nun kann ich in dieser 2x1.5m grossen kabine mit entspannungsmusik
einmal um die weltsurfen. oder eben dvds anschauen oder, oder....

japaner:
nun stellt ihr euch sicher die japaner ziemlich ausgeflippt und extrovertiert vor. aber
eine fahrt in der metro ueberzeugt euch vom gegenteil.
da denkt ihr naemlich eher an die grauen maenner im anzug von momo. nur ohne zigarren
und mit haaren. aber ohne bart! denn eigentlich hinterlassen die japaner den eindruck sich
gerne der gruppe anzupassen und nicht aus der gemeinschaft ausbrechen zu wollen.
fast ausnahmslos tragen maenner dunkle anzuege. und auch frauen sind im kostuem und
fast nie ohne high heels zu sehen. trotz meiner flachen schuhe ist es mir aber ein leichtes
ihnen auf den kopf zu schauen.
es gibt ungeheuer viele regeln die von generation zu generation weitergegeben wurden
und an die ich mich gerne halten moechte.
aber wenn ich danach frage, erklaeren sie mir wie unwichtig es sei und reichen mir die
hand zum gruss.

die japaner sind sehr gastfreundlich, hoeflich und gehen sehr respektvoll mit ihrer umgebung
um. ja ich denke das ist der erste eindruck den sie bei mir hinterlassen haben.
und ich bin gespannt auf weitere. viele gruesse in den westen.corinna